Die anstehende Bundestagswahl hat mich dazu veranlasst, mich einmal wieder als Autor zu betätigen und ein paar Gedanken mit euch auf meinem Blog zu teilen. Als politikinteressierter Mensch lässt mich diese Wahl selbstverständlich nicht kalt und ich habe mir lange Gedanken gemacht, wen ich wählen sollte.

Da ich selbst Politik studiere, habe ich aufmerksam die Berichterstattung und die Auftritte im Wahlkampf verfolgt. Aufgefallen ist mir vor allem eines: Es herrscht ein Grundtenor in der Berichterstattung – Der Wahlkampf ist inhaltsleer und langweilig.

Diese Behauptung mag auf den ersten Blick zutreffen. Vor allem die etablierten „Volksparteien“ neigen dazu lieber den „Gegner“ zu schmähen, als sich tatsächlich auf etwas festzulegen. Vor allem unsere Bundeskanzlerin ist Meisterin im Nichtssagen über mehrere Stunden. Insgesamt fokussiert der Wahlkampf hauptsächlich die beiden Spitzenkandidaten. Peer und Angela, die ehemaligen Koalitionpartner, treten nun erbittert gegeneinander an. Wer glaubt denn tatsächlich, dass zwei die bereits zusammen regiert haben tatsächlich noch großartig alternative Wahlprogramme anbieten?

Das spannende an diesem Wahlkampf ist tatsächlich, und davon lenkt der Großteil der Medialen Debatte ab, das Entstehen neuer Parteien aus der Frustration der Wähler heraus, in Ermangelung einer Wahlalternative. Mit der „Alternative für Deutschland“ besteht, das muss man ihr lassen, tatsächlich eine Wahlalternative. Das Programm ist durchdacht, sie beziehen klare Positionen und man weiß als Wähler, woran man ist. Ich möchte an dieser Stelle nicht über ihre durchaus konservative Position streiten, diese Entscheidung möchte ich dem Wähler selbst überlassen. Aber die Medienberichte über die AfD lassen leider an Differenziertheit zu wünschen übrig. Für den weniger konservativen Wähler gibt es ebenfalls eine Alternative: die Piraten. Ihren Inhalten wird leider ebenfalls wenig Beachtung geschenkt, obwohl hier die geforderten Inhalte durchaus vorhanden sind.

Die meines Erachtens jedoch spannendste Alternative ist, hier spreche ich eindeutig aus der Perspektive des Politikwissenschaftlers, die Partei „die PARTEI“. Für diejenigen, die noch nicht mitbekommen haben was „die PARTEI“ ist, empfehle ich eine kurze Google bzw. Youtube-Recherche. Bei der PARTEI handelt es sich nämlich um Medienprofis. Mit ehemaligen oder noch amtierenden TITANIC-Mitarbeitern und Chefredakteuren, handelt es sich beim PARTEI-Vorstand um Medienexperten.

Die Berichterstattung in den Massenmedien spricht aus diesem Grund gerne von einer Spaßpartei. Diejenigen, die sich ein wenig ernsthafter mit der „Spaß“-PARTEI auseinandersetzen, sprechen von einer Satire-Partei. Am Ende sind sich die Berichterstatter jedoch einig: Ernsthaft wählen kann man diese PARTEI nicht!
Ich möchte an dieser Stelle ernsthaft wiedersprechen. Ist es doch die Aufgabe von Satire eine Karikatur des Systems zu zeichnen zu überspitzen, ins Lächerliche zu ziehen und vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken anzuregen.

Wenn ich mir den Wahlkampf der PARTEI anschaue, so ist es tatsächlich der politischste Wahlkampf den ich bisher von einer Partei beobachten durfte. Mit der PARTEI kommt tatsächlich etwas Neues in die Politik.
Neu ist, dass Satire nicht nur die Politik von außen begleitet und der Satiriker sich als externer Akteur über Politik lustig macht, sondern dass der Satiriker Politik macht. Martin Sonneborn, der PARTEI-Vorsitzende macht das in der Tat so gut, dass die Grenzen zwischen Spaß und Ernst verschwimmen. Der Zuschauer, Bürger bzw. der Gesprächspartner weiß dabei nicht was Sonneborn oder die PARTEI fordern und welche Forderungen ernst gemeint sind.

Eines ist jedoch gewiss: Die Kritik an der bisherigen Politik, die mittels des Stilmittels der Satire in der Politik mitschwingt. Diese Kritik ist in dieser Form neu. Sie ist erfrischend und macht auch noch irgendwie Spaß. Der öffentliche Raum wird hierbei ganz bewusst betreten. Es werden Handlungs- und Denkprozesse in der politischen Öffentlichkeit angestoßen, wenn das keine ernstzunehmende Politik ist, was dann?

Ich jedenfalls fühle mich von einer Partei die mir eigenes Denken noch zutraut wesentlich ernster genommen, als von einer Partei die mich mit ihren Wahlversprechen mehr als einmal verarscht hat. Auch darin liegt der Reiz des Neuen, man weiß eben nicht so genau was kommt. Ein ernsthafter Grund, der Spaßpartei eine ernste Chance zu geben. Ich verrate an dieser Stelle natürlich nicht, wen ich am 22. September wähle.
Ich freue mich aber auf eine Diskussion, darüber wen ich oder ihr wählen sollte/könnte mit euch!

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