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Ich habe die letzten 10 Tage, um dem deutschen Winter zu entfliehen, in Dubai verbracht. Nachdem ich wieder zurückgekommen bin, haben mich viele gefragt, wie es denn in Dubai war?

In diesem Artikel versuche ich diese Fragen zu beantworten. Nicht zwangsläufig aus der Sicht des Touristen, sondern auch des Politikstudenten. Dubai ist in vielerlei Hinsicht verrückt. Vor allem aber ist es größenwahnsinnig! Übertrieben? Unmöglich? Geht nicht? GIBT’S NICHT!

Für den europäischen Tourist ist das ideal. Eine bessere Möglichkeit dem deutschen Winter zu entfliehen gibt es nicht. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele 5 Sterne Hotels wie in Dubai. Das bedeutet auch nirgendwo ist Luxus so vergleichsweise günstig wie in Dubai. Die Stadt besteht aus Hotelhochhäusern, Businesshochhäusern, mehr Hochhäusern und Shoppingmalls, die jeder Beschreibung spotten.  Eine Skihalle, ein Aquarium, mehrere gigantische Wasserparks, eine künstliche Insel, mit einen Wasserpark obendrauf und all das in der Wüste. Der ganze Luxus wird nur von den allgegenwärtigen Baustellen getrübt.  Am deutlichsten wurde die Dubai-Attitüde anhand eines Plakates zur Expo 2020 in Dubai: „Whoever said winning isn’t everything doesnt know Dubai!“

Versteht mich nicht falsch Dubai ist genial um Urlaub zu machen. Dubai ist genial um sein teuer verdientes Geld auszugeben. Genau dafür existiert es. Es gibt keinen besseren Ort auf der Welt, um die Welt zu vergessen als Dubai. Ich habe meinen Urlaub damit verbracht Dinge zu tun die unmöglich erscheinen oder zumindest erscheint es unmöglich all diese Dinge zu tun ohne die Stadt zu verlassen. Am ersten Tage war ich Skifahren, am zweiten Tag habe ich bei ca. 30 Grad umgeben von Hochhäusern, riesigen Seen und Grünflächen Golf gespielt und ich kann euch sagen die deutschen Golfspieler sind nicht die einzigen die dem Winter entfliehen, scheinbar sämtliche Zugvögel haben sich auch in Dubai auf dem Golfplatz eingefunden. Weiter war ich im Wasserpark, bin die steilste Wasserrutsche der Welt gerutscht, dann die schnellste Achterbahn der Welt gefahren, zwischendrin war ich nochmal eine Runde einkaufen, äh eislaufen. Achja und eine Wüstensafari habe ich auch gemacht. Das ist schließlich die „Dubai  Experience“.  An jeder Ecke wird die nächste Experience angekündigt man weiß gar nicht was man als nächstes tun soll.

Zwischendurch kann man sich entweder einen Snack in einer der Malls organisieren, sich eine Mahlzeit nach Hause oder sonst wohin liefern lassen. Wenn einem das zu hektisch ist und man es lieber gediegen angeht, dann speist man in einem der 5 oder mehr Sterne Hotels. Dubai verfügt über jede bekannte Fastfoodkette der Welt und jede große Hotelkette der Welt, die etwas auf sich hält ist in Dubai vertreten.

Und genau das ist es, was Dubai ausmacht. Dieser gigantische Goldrausch: alle kommen und wollen dabei sein, jeder muss die „Dubai Experience“ gemacht haben. Aber wie funktioniert das alles?

Naja das Gold heißt in diesem Falle Öl und sprießt im benachbarten Emirat Abu Dhabi, da gibt es übrigens die zweitgrößte Moschee der Welt (es ist nur nicht die größten, weil die am heiligsten Ort der Muslime in Mekka stehen muss, würde man das missachten verärgert man einen großen Teil der potentiellen Besucher!). Dieses Öl bildet die Grundlage für den Reichtum der VAE. Dubai ist das Experiment für nach dem Öl. Wie bringe ich die ganze Welt dazu ihr Geld weiterhin bei mir auszugeben obwohl ich nichts mehr zu verkaufen habe? Ich verkaufe „Experiences“!
Als Emirati habe ich ausgesorgt der glorreiche und von allen geliebte Monarch versorgt mich mit einem mehr als ausreichenden Grundeinkommen, Geschenken zur Hochzeit, Kindergeburt und, und, und…
Für beste Bildung ist gesorgt: Im Dubai Knowledge Village sind eine Vielzahl von namhaften Universitäten mit renommierten Instituten vertreten. Hauptsächlich natürlich Naturwissenschaften. Ein Gesellschaftswissenschaftler könnte am Ende fragen wie funktioniert das eigentlich alles? Das wäre nicht zielführend, wie das gigantische Werbeplakat an einer der Hochhausfassaden schreibt: „Keep calm there is no bubble“. Es gibt keine Grenze nach oben! Gesellschaftliche Realitäten werden hier eben gerne ausgeblendet und man macht weiter wie bisher. Auch wenn in der letzten großen Rezension beispielsweise, der Bau der nächsten Palme, der „World“, oder der „Dubai Pearl“, dem Eingang zur Palm Jumeirah gestoppt wurden und Investorengelder in Milliardenhöheversenkt wurden. Egal der nächste Investor findet sich garantiert. Menpower genug gibt es sowieso. Die Taxifahrer kommen aus Pakistan, Bauarbeiter aus Malaysia und Indien, die Bedienung im Restaurant aus China, die Greenkeeper aus Indonesien. Kein Problem und wenn einer einen Fehler macht?

„If he fails he looses his job.“

Und seinen Job zu verlieren heißt seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlieren und damit die Möglichkeit, Geld an die Familie in der Heimat zu schicken oder überhaupt erst Geld für eine Familiengründung zu verdienen.

Kriminalität existiert in Dubai nicht, wer sich eines Vergehens schuldig macht wird sofort des Landes verwiesen. Entweder du spielst mit oder du darfst nicht mehr mitspielen. Und da dieses Spiel nicht anderes ist als der globale Größenwahn potenziert, spielen alle mit. The Dubai Experience! Geil oder?

Jeder trägt seinen Teil bei, Europäer und der eine oder andere superreiche Warlord, Ölmilliardär bringt sein Geld nach Dubai. Gut ausgebildete Arbeitskräfte aus der „1. Welt“ managen alles und nahezu nicht ausgebildete Arbeitskräfte aus der „3. Welt“ erledigen die Drecksarbeit für die sich einheimische und Touristen zu schade sind. Die Leute in Dubai die in Dubai die Richtung angeben sind sich einig Dubai setzt Trends für den Rest der Welt! Und dieser Trend wird anhalten zur EXPO 2020 soll sich die Einwohnerzahl verdoppelt haben und die Falcon City of Wonders sämtliche Weltwunder in einer Stadt vereinen.
Währenddessen führt bei uns die SPD einen Mitgliederentscheid durch und verhandelt einen Mindestlohn. Die „Groko“ streitet sich um Klimaziele. Die Opposition kritisiert vor sich hin, man protestiert gegen Fluglärm und versucht nachhaltig zu leben.
Dubai baut mal eben die erste „nachhaltige“ Stadt der Welt. Nicht weil Nachhaltigkeit in Dubai großgeschrieben wird. Nein!
In Dubai gibt es nur eine Begründung die wirklich zählt: Weil wir es können!

Zum Abschluss meiner Reise war ich dann nochmal eben schnell auf dem höchsten Hochaus der Welt und habe die Welt von oben betrachtet. Bevor ich dann mit dem Aufzug wieder nach unten musste, den Flieger nach Deutschland nehmen. Zurück in die Realität oder eben den ganz normalen Wahnsinn! Mir bleibt die Erinnerung an einen Urlaub voller Reizüberflutung und Experiences, Erfahrung und die Frage: Wo soll das alles Enden?

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