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Liebe Leser, das ich bei Facebook darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Facebook nicht öffentlich ist hier nochmal der Repost der Diskussion für ALLE interessierten zum mitlesen und mitdisktuieren.

Der ursprüngliche Artikel:

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/serien/der_kommentar/spassparteien-europawahl100.html

Brief 1

Ich habe mal wieder die Krise bekommen, ob der Unfähigkeit einiger Journalisten in unserem Land. Nach dem ich einen Kommentar vom NordWestradio zum European Parliaments Mandat der PARTEI aufgrund des Facebookpostings von Martin Sonneborn gelesen habe. Hier meine Gedanken dazu. Sollten sie Herr Sonneborn den Artikel lesen möchte ich mich auf diesem Wege als Praktikant bei Ihnen bewerben. Ich bin selbstverständlich jederzeit bereit mich willenlos von ihnen ausbeuten zu lassen und Sie dabei zu unterstützen, die EU zu melken! Wie das in meiner Generation eben üblich ist.

Für alle Interessierten hier mein freundlicher Brief:
Sehr geehrter Herr Möller,

“Arschloch! Penner! Vollidiot! Faschist!”, dass sind Beleidigungen. Sie haben die Absicht jemanden persönlich anzugreifen und zu verletzen. Die Beleidigung der Demokratie die sie in ihrem Kommentar beschreiben ist keine. Es handelt sich um das Ergebnis einer demokratischen und freien Wahl. Dieses Ergebnis kann ihnen ge- oder missfallen, es kann jedoch weder Sie noch eine andere Person beleidigen. Der Inhalt ihres Artikels ist eine haltlose Unterstellung und eine bodenlose Unverschämtheit. Bevor ich dazu komme Ihnen darzulegen warum ich zu diesem Entschluss komme, möchte ich mich kurz vorstellen, damit ihnen nachvollziehbar ist, warum ich mich durch ihre Unterstellung tatsächlich beleidigt fühle.

Ich selbst verfolge die Aktionen der PARTEI seit Jahren bereits mit großem Interesse und erlaube mir aus diesem Grund, sie ob ihres Sinns oder Unsinns zu beurteilen. Mein Interesse für die Aktionen der Partei, insbesondere Martin Sonneborns rührt aus meinem Interesse für Politik. Dieses Interesse für Politik hat dazu geführt, dass ich in Göttingen einen Bachelor in Politik und Geschichte absolviert habe und jetzt kurz vor Beendigung meines Masters in „Politischer Theorie“ in Frankfurt stehe.
Grund für dieses Interesse ist unter anderem meine Erziehung, die geprägt ist von den Erzählungen meines Großvaters und meiner Großmutter, von ihrer Kindheit im Krieg. Eine Aussage meines Großvaters ist mir hier besonders im Gedächtnis geblieben: „ Mir ist es egal, wie viel mich diese EU kostet, sie ist eine wesentlicher Grund dafür, dass ich seit über 60 Jahren in Frieden leben kann.“ Ich persönlich habe dieses friedliche Europa selbst erfahren und diverse Schüleraustausche und private Reisen in einen Großteil der anderen europäischen Länder unternommen. Ich spreche fließen Französisch und Englisch, ein wenig Spanisch und dass nur, weil ich hervorragend mit meinen Freunden in anderen europäischen Staaten vernetzt bin. Aus diesen Gründen habe ich eine Meinung zu Europa. Ich kenne und genieße die von Ihnen erwähnten Vorzüge Europas und weiß sie zu schätzen. Was ich Ihnen damit sagen möchte ist, dass Europa für mich eine Herzensangelegenheit ist. Ich fühle mich nicht nur persönlich angegriffen, wenn Sie mir durch die Blume vorwerfen, ich würde meine Stimme vergeuden, sondern ich finde ihre Argumentation, aus der Perspektive eines Politiktheoretikers der sich intensiv mit der politischen Effizienz der EU aber auch mit Fragen der Legitimität und der Demokratietheorie auseinandergesetzt hat, nicht nur fragwürdig sondern tatsächlich beleidigend und gefährlich.

Mit der Unterstellung: „Wenn einer die PARTEI wählt, vergeudet er seine Stimme“ unterstellen sie 185.000 Menschen in Deutschland politische Unmündigkeit. Sie sprechen mir meine Kompetenz als politisches Wesen ab. Sie stellen mein fundamentales Recht als Freier und Gleicher in Frage und dieser Vorgang ist ihnen höchstwahrscheinlich nicht einmal bewusst. Kurzum sie unterstellen mir ich sei zu blöd um politisch zu sein, zu dumm für Freiheit!

Nun zu Ihrem Artikel. Leider ist es Ihnen nicht gelungen in Ihrem Artikel Verständnis für die PARTEI aufzubringen. Das liegt offensichtlich daran, dass sie ein Kernelement des Wesens der PARTEI nicht verstanden haben: Satire!
Die Menschen die sich dort engagieren, die sie anscheinend für „Gaga“ halten, haben sich sicherlich Gedanken um die Inhalte ihrer Slogans, gemacht und deswegen sollten sie diese Menschen respektieren. Statt die PARTEI pauschal als Spaßpartei abzutun sollten Sie sich die Mühe zu machen den Hintergrund dieser Forderungen zu betrachten. Dazu hat es leider nicht gereicht. Dabei ist es doch die Aufgabe von politischer Satire Dinge zu überspitzen, zu übertreiben, ins lächerliche und damit ins grelle Licht der politischen Öffentlichkeit zu ziehen.

Eine Mauer um die Schweiz zu bauen spielt auf die Volksabstimmung zur Zuwanderungsbeschränkung an. Plakate wie „Merkel ist doof“ überspitzen bewusst die Elemente eines entpolitisierten, stattdessen personalisierten Wahlkampfes, der sich schlicht darauf beschränkt die Mitglieder anderer Parteien lächerlich zu machen.
Jemanden wie Cem Özdemir als „Sprechdöner“ zu bezeichnen überspitzt die rassistischen und nationalen Ideen einiger die immer noch in den Köpfen der Leuten herumspuken und die im politischen Diskurs von Beispielsweise Thilo Sarrazin und anderen offen vertreten werden. An dieser Stelle fällt mir ein, das die NPD gar 1 Prozent erhalten hat. Und nationalistische Parteien im Europarlament bei dieser Wahl auch in anderen Ländern einen großen Zuwachs erhalten haben und dies weiterhin am Fundament einer europäischen Gemeinschaft kratzt. Darüber müsste man diskutieren.

„Wie satt sind wir eigentlich?“

Satt genug, um uns nicht mehr für die Inhalte und die Politik zu interessieren anscheinend. Sie demonstrieren diese Inhalts- und Gedankenlosigkeit in hervorragender Art und Weise mit ihrem Artikel. Auch ihr Ukrainevergleich verdeutlicht ihre Unfähigkeit zu differenzieren und sich mit Inhalten und Begriffen der Politik auseinander zu setzen. Ich würde nämlich vermuten, aber das ist natürlich reine Spekulation, dass es einem gefestigten politischen Gemeinwesen nicht schadet, wenn es Kritik zu lässt und Satire verkraftet. Es steht ihm nicht nur gut zu Gesicht nein es ist auch ein bedeutsames Zeichen von Freiheit. Die Freiheit die in anderen Ländern schmerzlich vermisst wird und die „wir“ in Europa genießen treten sie tatsächlich mit Füßen. Ich hoffe Ihnen vermitteln zu können, warum ich mich politisch mit meiner Stimme nicht disqualifiziert habe. Sollten sie mich als politisches Subjekt, als Bürger ernstnehmen oder vielleicht einfach nur ein wenig Nachhilfe in Sachen politischer Theorie benötigen, stehe ich jederzeit gerne zu einer Diskussion bereit. Dass ich Spaß verstehe, bedeutet nicht, dass man mich nicht ernstnehmen kann.

Mit dem Spaß einher geht nämlich wie sie durch ihren Kommentar belegen eine gesteigerte mediale Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit ist dringend nötig, da meines Erachtens die etablierten Parteien ihrem politischen Bildungsauftrag nicht ausreichend nachkommen und es nur deshalb dazu kommen konnte, das es bei dieser Wahl ein derart starkes Ergebnis für nationalistische oder auch euro- bzw. europakritische Parteien gegeben hat. Vielleicht schafft die PARTEI es durch diese zusätzliche Aufmerksamkeit Debatten anzustoßen und die deutsche Öffentlichkeit ein wenig mehr zu politisieren. Sollte sie diesem Auftrag den sie von mir als Wähler bekommen hat nicht wie versprochen auf schmierigste und populistischste Art und Weise nachkommen, habe ich immer noch bei der Nächsten Wahl die Möglichkeit ihnen die Legitimität wieder zu entziehen. Bis dahin erhoffe ich mir, dass die angestoßene kritische politische Diskussion und der öffentliche Diskurs zu einer breiteren Legitimation der Europäischen Union führen können.

Mit besten Grüßen,

Brief 2

Ich habe eine Antwort von Herrn Möller bekommen. Sie war jedoch an mich persönlich gerichten, mit der Bitte sie nicht zu veröffentlichen. Ich kann mir jedoch nicht verkneifen meine Antwort darauf bei Facebook zu posten. Ich finde es handelt sich hier um eine Diskussion, die nicht nur Herr Möller und ich führen sollten, sondern zu der bestimmt auch der ein oder andere in meiner Freundesliste oder vielleicht auch die ein oder andere Zeitung mal was sagen sollte. Und nicht nur RadioBremen bzw. das Nordwestradio.
Wie ich unten erkläre lohnt es sich, sich nicht nur mit der Frage nach dem Einzug von Martin Sonneborn, und seinem vorbereiteten Rücktritt auseinanderzusetzen sondern auch die Fragen die sich um den Einzug einer “Spaßpartei” wie Die PARTEI ins EP drehen und die Gründe die Menschen dazu bewegt haben diese Partei zu wählen.

ACHTUNG !!! WEITERLESEN KÖNNTE SICH LOHEN! 😉

#diePARTEI #PARTEI #RadioBremen #Nordwestradio #MartinSonneborn #Sonneborn #Europawahl #Satire

Lieber Herr Möller,

zunächst vielen Dank für ihre Antwort, die Antwort bei Facebook habe ich leider nicht gesehen. Facebook hat ein leider vollkommen intransparentes System, wer wann was sieht.  Es wäre nett, wenn sie mir den Link zukommen lassen könnten.  Ich respektiere selbstverständlich, dass sie diese Antwort PRIVAT geschrieben haben. Ich finde jedoch ebenfalls wie sie, dass es die öffentliche Debatte nicht nur über das Thema, was darf Satire, sondern eher: „Was verstehen wir unter Politik?“ Dringend braucht.

Aber zunächst zur PARTEI. Warum genau sollte denn im Parlament „Schluss mit lustig sein?“ Wenn sie sich eine Bundestagsdebatte ansehen, ist es doch Gang und Gäbe, dass der politische „Gegner“ mit gezielten Lachern zu diskreditieren versucht wird . Statt einer Diskussion, findet dort eine beinahe groteske Komödie statt. Deshalb auch dieses “mit dem Fuß aufstampfen“. Meine Wahl der PARTEI war bereits ein Aufstampfen. Ein mir reicht es, ich habe das Vertrauen, in dieses Affentheater was sich heutzutage Politik schimpft verloren. Mir bleibt keine Wahl mehr, da Dinge grundsätzlich falsch laufen. Dass sind Kritikpunkte die ich im Programm der PARTEI finde und ich finde es gut, dass diese Punkte von der PARTEI angestoßen werden, ich finde es ebenfalls gut wenn es Journalisten aufgreifen und diskutieren. Es wäre jedoch seltsam zu erwarten, dass Herr Sonneborn seine Rolle des Satirikers, die er hervorragend ausfüllt, plötzlicher Weise aufgibt. Er ist schließlich nicht in der Regierungsverantwortung, sondern in der Situation, dass er als Opposition mit nur einem Sitz, eine möglichst Große Öffentlichkeit erzeugen muss. Ich habe selten von Politikern aus dem Europaparlament derartig viele Kommentare zu ihren Ausgaben und Bezügen  und verschiedenste Rechnungen gesehen. Was kann Herr Sonnerborn den nun wirklich verprassen?

Ein interessanter Artikel dazu was so alles passieren kann wenn eine Spaßpartei auf einmal an die Macht kommt finden sie hier: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Mehr-Punk-weniger-Hoelle-/story/25977893

Der letzte einigermaßen authentische Auftritt eines Politikers ist die durch Youtube bekannt gewordene Wutrede von Herrn Steinmeier. Kein Wunder, dass sie bei anderen Partein kein derartiges Aufstampfen erlebt haben, schließlich gibts es ja nichts, was Frau Merke oder die anderen Herrschaften nicht irgendwie glattbügeln und relativieren könnten. Der Politikbetrieb ist schon so festgefahren, dass ein Kommentar von einem Regionalradio eine etablierte Partei bestimmt nicht aus der Fassung bringt. Allgemein schein es dieser Tage wenig zu geben, was eine Partei vom Haushalten abbringt, und tatsächlich dazu führt das einmal tatsächlich Politik gemacht würde. Mein persönliches Wahlkampfhighligt war eine Popkulturinszenierung à la Marilyn Monroe in meinem Spotifyaccount. Was dass nun sollte konnte ich wirklich nicht verstehen. Mutti ist jetzt nicht nur die Lösung für alles, sie ist auch noch sexy dabei und im Internet.

Eine Mimose zeichnet sich im Übrigen dadurch aus, dass sie sich zusammenzieht, bei der kleinsten Berührung, nicht dadurch, dass sie empörte Leserbriefe schreibt. Keine Angst es braucht schon ein wenig mehr, dass ich mich ernsthaft beleidigt fühle, sie haben mir mit ihrem Kommentar jedoch eine dankbare Projektionsfläche für meine Empörung geboten.

Zu guter letzt doch noch eine Bemerkung zu ihrer Frage, was man darf, wenn man nur Satire drüber schreibt. Welche Dinge über die von Ihnen benannte Claudia Roth und Golfplätze gesagt werden, klärt zum Beispiel gerade die deutsche Justiz. „Man“ darf gar nichts, „Man” ist nach Heidegger nämlich derjenige, der an seinem Sein vorbeiläuft, ein niemand also. Bevor ich jetzt allerdings zu philosophisch werde, möchte ich es an dieser Stelle lieber as Frage im Raum stehen lassen. Wer ist dieser „Man“?  Ist „man“ derjenige der Politik macht? Darf „man” tatsächlich alles?  Ich glaube nicht. Den wenn man alles dürfte wäre niemand mehr und das wäre das Ende der Politik. Da niemand mehr die Verantwortung für sein Handeln übernähme. Ich lege ihnen an dieser Stelle als langjährigem Politikredakteur die Lektüre von Hannah Arendts „Vita Aktiva“ nahe. Dort gibt es einige interessante Ausführungen zur Frage was Politik ist, die „man“ also wir unbedingt mal öffentlich diskutieren sollten.

In diesem Sinne respektiere ich selbstverständlich Ihren persönlichen Wunsch, ihre Antwort nicht öffentlich zu machen, jedoch bitte ich Sie um Verständnis, dass ich meine wieder bei Facebook poste, schließlich ist mir an einer öffentlichen Debatte gelegen. Ich finde es nett, dass sie meine Gedanken für gut halten und vergebe Ihnen gerne die „Beleidigung“, finde jedoch nicht, dass zu diesem Thema schon alles gesagt wurde.

Ich hoffe sie hatte ein angenehmes Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen,

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